Hallux valgus Therapie & Nachbehandlung – Physiotherapie vor und nach Hallux-OP

Hallux valgus verstehen – konservative Therapie, OP Entscheidung & Nachbehandlung

Ein Hallux valgus ist weit mehr als nur ein „schiefer großer Zeh“. Für viele Patientinnen und Patienten beginnt das Problem mit Druckstellen, Problemen im Schuh oder einem zunehmend auffälligen Vorfuß. Im Verlauf kommen Schmerzen, Einschränkungen beim Gehen, Unsicherheit beim Abrollen und manchmal Beschwerden an den Kleinzehen oder unter dem Vorfuß dazu. Wer dann nach Hilfe sucht, bekommt oft zwei Extreme zu hören: entweder „Da kann man konservativ gar nichts machen“ oder „Das muss irgendwann operiert werden“. Beides ist zu pauschal.

Die Wahrheit ist differenzierter. Ein Hallux valgus ist eine multifaktorielle Fehlstellung. Das bedeutet: Schuhwerk, genetische Veranlagung, Fußform, Bindegewebe, Belastungsmuster und die Funktion der Fußmuskulatur spielen zusammen. Deshalb gibt es auch nicht die eine Hallux-valgus-Behandlung für alle. Bei manchen Patientinnen und Patienten lässt sich mit konservativen Maßnahmen viel erreichen. Bei anderen ist eine Operation sinnvoll. Und nach einer Operation entscheidet die Nachbehandlung oft darüber, ob das Ergebnis wirklich funktionell gut wird.

Gerade hier passieren in der Praxis viele Missverständnisse. Es gibt nicht die eine standardisierte Nachbehandlung nach jeder Hallux-valgus-OP. Die aktuelle deutschsprachige Leitlinie betont ausdrücklich, dass sich die postoperativen Maßnahmen zum Teil erheblich nach dem verwendeten Operationsverfahren richten. Genau deshalb ist eine hochwertige physiotherapeutische Betreuung so wichtig: Sie muss verstehen, welches Verfahren gemacht wurde, was geschützt werden muss und wann Mobilität sinnvoll ist.

Diese Seite erklärt verständlich, was bei Hallux valgus konservativ sinnvoll ist, wann eine Operation in Betracht kommt und worauf es in der postoperativen Nachsorge wirklich ankommt. Unser Schwerpunkt liegt dabei klar auf der Funktion: Abschwellung, Gangbild, Beweglichkeit, Belastbarkeit, Rezidivprophylaxe und die Rückkehr in einen alltagstauglichen Fuß.

Was ist ein Hallux valgus?

Bei einem Hallux valgus weicht der große Zeh nach außen ab, während sich der erste Mittelfußknochen nach innen verschiebt. Dadurch entsteht die typische Vorwölbung an der Innenseite des Vorfußes, die viele als „Ballen“ kennen. Medizinisch ist das aber nicht nur eine kosmetische Veränderung, sondern eine dreidimensionale Fehlstellung des ersten Strahls. Das ist wichtig, weil die Folgen nicht nur lokal am Ballen auftreten.

Mit zunehmender Fehlstellung verändert sich die Lastverteilung im Fuß. Der erste Strahl kann seine Funktion beim Abrollen schlechter übernehmen. Dann müssen andere Strukturen mehr kompensieren: die Kleinzehen, die Mittelfußköpfchen, die Plantarstrukturen oder auch die Achillessehne und die gesamte Beinachse. Deshalb berichten viele Patientinnen und Patienten nicht nur über einen schmerzhaften Ballen, sondern auch über Druck unter dem Vorfuß, Hammerzehen, Reizung der Kleinzehen oder ein unsicheres Gangbild.[1], [8]


Hallux valgus Ursachen

Ein Hallux valgus entsteht in den seltensten Fällen aus nur einer Ursache. Die aktuelle Literatur beschreibt ein multifaktorielles Modell. Dazu gehören unter anderem:

  • genetische oder strukturelle Veranlagung
  • weibliches Geschlecht und zunehmendes Alter
  • ungeeignetes, enges oder hochhackiges Schuhwerk
  • Hypermobilität des ersten Strahls oder Instabilität im TMT-I-Bereich
  • pronationsbetonte Fußmechanik
  • verminderte Aktivität oder ungünstige Ansteuerung der intrinsischen Fußmuskulatur


Wichtig für Patientinnen und Patienten ist dabei vor allem eins: Man hat einen Hallux valgus nicht automatisch „selbst verschuldet“. Schuhe können ein Verstärker sein, aber sie sind oft nicht die einzige Ursache. Gleichzeitig ist das eine gute Nachricht, denn wenn mehrere Faktoren beteiligt sind, gibt es auch mehrere mögliche Hebel in der Therapie.

Was hilft konservativ bei Hallux valgus? Ist Physiotherapie bei Hallux valgus sinnvoll? 

Konservative Therapie kann eine Operation nicht in jedem Fall ersetzen. Aber sie kann Beschwerden reduzieren, den Fuß funktionell verbessern und in vielen Fällen dazu beitragen, den Verlauf zu verlangsamen oder eine OP hinauszuzögern. Gerade bei milden bis moderaten Beschwerden ist ein gut aufgebauter konservativer Plan sinnvoll.
 

1. Schuhwerk ist kein Nebenthema

Einer der häufigsten praktischen Fehler ist ungeeignetes Schuhwerk. Wer dauerhaft in zu schmalen, zu harten oder im Vorfuß drucksteigernden Schuhen läuft, verschlechtert die lokale Reizung fast zwangsläufig. Ein breiter Schuh mit ausreichender Zehenbox, stabiler Sohle und alltagstauglicher Dämpfung ist oft die erste wirksame Maßnahme. Das klingt banal, macht aber im Alltag einen großen Unterschied.
 

2. Orthesen, Schienen und Hilfsmittel

Konservative Hilfsmittel können sinnvoll sein, vor allem zur Druckentlastung und Führung. Sie „heilen“ die Fehlstellung nicht, können aber Beschwerden reduzieren und den Alltag erleichtern. Besonders nachts oder in Ruhephasen können Schienen oder Spacer manchen Patientinnen und Patienten helfen. Entscheidend ist die realistische Erwartung: Hilfsmittel sind meist symptomatisch und unterstützend, nicht strukturell korrigierend.
 

3. Physiotherapie bei Hallux valgus 

Physiotherapie ist bei Hallux valgus nicht einfach nur Massage oder Mobilisation. Sinnvoll ist vor allem ein funktioneller Ansatz mit Fokus auf:

  • Kontrolle des ersten Strahls
  • Aktivierung der intrinsischen Fußmuskulatur
  • Verbesserung der Hallux-Abduktion
  • Fußgewölbe-Funktion
  • Achsenstabilität von Sprunggelenk, Knie und Hüfte
  • Gangbild und Abrollverhalten

 

Biomechanisch plausibel und klinisch sinnvoll sind vor allem Übungen, die den Abductor hallucis und die intrinsische Fußmuskulatur ansprechen. Dazu gehören klassische Ansätze wie Toe-spread-out, Short-foot und kontrollierte Hallux-Abduktion. 

Die Evidenz ist nicht in jedem Detail stark, aber die Richtung ist klar: Übungstherapie kann Schmerzen, Funktion und teils auch Winkel beeinflussen – besonders in Kombination mit sinnvoller externer Unterstützung.

In unserer physiotherapeutischen Praxis betreuen wir regelmäßig Patientinnen und Patienten aus dem Rhein‑Main‑Gebiet und dem Raum Steinbach, Eschborn und Oberursel nach Hallux‑valgus‑Operationen.
 

4. Belastung steuern statt nur schonen

Viele Betroffene machen den Fehler, entweder zu viel zu ignorieren oder sich aus Angst komplett zurückzuziehen. Beides ist ungünstig. Ein schmerzhaft gereizter Hallux valgus profitiert von einer sinnvollen Belastungssteuerung: genug Aktivität für Funktion und Kraft, aber nicht so viel Druck, dass der Vorfuß ständig entzündet reagiert.[2], [3], [6], [8]

Hallux valgus OP: Wann ist eine Operation sinnvoll, welche Verfahren gibt es und was Patient:innen erwarten können

Die Entscheidung zur Operation richtet sich nicht nur nach dem Winkel auf dem Röntgenbild. Entscheidend sind Schmerzen, Funktion, Alltagseinschränkung, Schuhprobleme, Progression der Fehlstellung und die Frage, ob konservative Maßnahmen ausreichend helfen. Die aktuelle Leitlinie ordnet operative Verfahren grob nach Deformitätsgrad und Modulatoren wie Arthrose im Großzehengrundgelenk oder Instabilität im TMT-I-Bereich.
 

Wichtig ist: Es gibt viele unterschiedliche OP-Verfahren. Dazu gehören distale, diaphysäre und proximale Osteotomien, minimalinvasive Verfahren, Lapidus-Operationen sowie in bestimmten Konstellationen Arthrodesen – also Versteifungen – am TMT-I oder am Großzehengrundgelenk. Und genau daraus folgt der entscheidende Satz für die Nachbehandlung:

Es gibt nicht die eine Nachbehandlung für alle Hallux valgus OPs.

 

Warum die Nachbehandlung bei einer Hallux valgus Operation so wichtig ist

Nach einer Hallux Valgus OP konkurrieren immer zwei Ziele miteinander:

  1. Schutz der Korrektur und knöchernen Heilung
  2. Wiederherstellung von Beweglichkeit, Gangbild und Funktion


Zu frühes aggressives Vorgehen kann die Korrektur gefährden. Zu langes passives Schonverhalten erhöht dagegen das Risiko für Steife, schlechtes Abrollen, Transferbeschwerden und funktionelle Defizite. Deshalb ist die moderne Nachsorge nicht starr schemaorientiert, sondern prinzipienorientiert und verfahrensspezifisch.

Aus klinischer Sicht hat die Nachbehandlung vier Hauptziele:

  • Schutz der Korrektur und knöchernen Heilung
  • Abschwellung, Wundheilung und Schmerzreduktion
  • Wiedergewinn von Gangbild, Belastbarkeit und Funktion des ersten Strahls
  • Vermeidung von Steife, Transferbeschwerden und Rezidiv

Hallux valgus OP Nachbehandlung: Welche Maßnahmen laut Leitlinie dazugehören

Die aktuelle Leitlinie nennt als allgemeine Bausteine der postoperativen Behandlung unter anderem:

  • Wundkontrollen und Verbandswechsel
  • gegebenenfalls redressierende Verbände
  • Thromboseprophylaxe
  • suffiziente Schmerztherapie
  • postoperative Bildgebung
  • geschützte Voll- oder Teilbelastung im Verbandsschuh oder Walker
  • Physiotherapie mit Abschwellung, passiver/aktiver Beübung des Großzehengrundgelenks und gegebenenfalls manueller Therapie oder Lymphdrainage


Gleichzeitig betont sie, dass die konkrete Nachbehandlung je nach Operationsstrategie zum Teil deutlich variiert. Genau deshalb muss Physiotherapie hier verfahrensbezogen denken.

 

Hallux valgus OP: Die Nachsorge hängt vom OP-Verfahren ab

Gelenkerhaltende Osteotomien bei Hallux valgus

Bei distalen, diaphysären oder proximalen Osteotomien bleibt die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks grundsätzlich erhalten. Ziel ist deshalb, diese Beweglichkeit – sobald chirurgisch freigegeben – funktionell wiederherzustellen. Hier spielt die kontrollierte MTP-I-Beweglichkeit eine wichtige Rolle, um Steife zu vermeiden.
 

Lapidus / TMT-I-Arthrodese

Bei einer Lapidus-Operation steht die Stabilität des ersten Strahls im Vordergrund. Mobilität am Großzehengrundgelenk kann weiterhin relevant sein, die Belastungsprogression ist aber oft vorsichtiger und stärker von der knöchernen Heilung abhängig.
 

MTP-I-Arthrodese

Hier ist das Großzehengrundgelenk bewusst versteift. Das Ziel ist dann nicht ROM-Gewinn im fusionierten Gelenk, sondern ein gutes Abrollen über den restlichen Fuß, passende Schuhversorgung, Belastungstoleranz und die Vermeidung von Überlastung benachbarter Strukturen. Am fusionierten Gelenk wird nicht mobilisiert.

[1], [3], [6]

 

Sinnvolle Phasen der Hallux valgus Nachbehandlung

Phase A: 0-2 Wochen – Schwellung, Wundheilung und Schutz

In der Frühphase stehen Schutz und Abschwellung klar im Vordergrund. Typische Schwerpunkte sind:

  • Hochlagerung
  • konsequente Abschwellung
  • Schutz von Wunde und Korrektur
  • Verband, Schuh oder Walker nach operativer Vorgabe
  • sichere Mobilität mit Hilfsmittel
  • frühe Bewegung der nicht operierten Segmente wie Sprunggelenk, Knie und Hüfte


In dieser Phase muss auch die Aufklärung stimmen: Schmerzen, Schwellung und eingeschränkte Funktion sind zunächst normal. Ein dicker Fuß ist nicht automatisch ein Problem, aber er ist funktionell relevant und darf nicht unterschätzt werden.
 

Phase B: ca. 2–6 Wochen – erste Mobilisation und Teilbelastung

Je nach Verfahren und Freigabe beginnt in dieser Phase die kontrollierte Progression. Bei vielen gelenkerhaltenden Verfahren wird mit vorsichtiger Belastungssteigerung und erster Mobilität gearbeitet. Typische Inhalte:

  • Abschwellung und Narbenmanagement
  • Sprunggelenksmobilität
  • vorsichtige MTP-I-Mobilität bei gelenkerhaltender OP
  • Gangschule mit korrektem Lastverlauf
  • Erhalt von Hüft-, Knie- und Rumpffunktion


Phase C: ca. 6–10 Wochen – Belastung steigern und Gangbild verbessern

Jetzt geht es meist um den funktionellen Wiederaufbau:

  • Belastung weiter steigern
  • Gangbild normalisieren
  • MTP-I-Funktion verbessern
  • lokale Kräftigung von Fuß und Sprunggelenk
  • Abbau von Gehstützen
  • Fahrrad-Ergometer oder ähnliche schonende Belastungsformen


Phase D: ca. 10–14 Wochen – Übergang in normale Schuhe und Stabilität

In dieser Phase gelingt oft der Übergang in normales Schuhwerk – aber nur in breite, stabile Schuhe mit ausreichender Zehenbox. Dazu kommen:

  • Propriozeption
  • Balance
  • Closed-chain-Kontrolle
  • weitere Normalisierung des Abrollens
  • allmähliche Integration des ersten Strahls in die Lastaufnahme


Phase E: ab ca. 14–20+ Wochen – Alltag, Sport und volle Belastbarkeit

Jetzt geht es in Richtung Alltag und – später – Sportfunktion:

  • Einbeinstand
  • Variabilität der Unterlagen
  • funktionelle Belastungsformen
  • längere Gehstrecken
  • später sportartspezifische Muster


Die Rückkehr zu Sport hängt nicht an einer festen Kalenderwoche, sondern an Funktion, Schwellung, Schmerz, Gangbild, Balance und – bei Arthrodesen – an der gesicherten knöchernen Konsolidation.

[2], [3], [6]

Physiotherapie nach Hallux‑valgus‑OP: Zentrale Übungen und Behandlung für Beweglichkeit, Gangbild und Belastbarkeit

Frühe Behandlung nach Hallux valgus OP

Abschwellungspumpe und venöse Aktivierung

  • aktive Sprunggelenksbewegungen
  • dosierte Muskelpumpe der Wade
  • Bewegung nicht operierter Segmente

 

Gangschule

  • sicheres Gehen mit Hilfsmittel
  • Einhalten der vorgegebenen Belastung
  • später kontrolliertes Wiedererlernen des Abrollens

 

Hüft-, Knie- und Rumpferhalt

  • Bridging-Varianten
  • Hüftabduktionsübungen
  • Quadrizeps- und Gluteus-Aktivierung
  • Rumpfstabilität


Wichtig bei gelenkerhaltender Hallux valgus OP

MTP-I-ROM – aktiv und passiv, aber kontrolliert 

Die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks ist bei gelenkerhaltenden Verfahren ein zentrales Thema. Zu aggressive Mobilisation ist falsch, zu spätes oder zu zaghaftes Vorgehen begünstigt aber Steife.


Gezielte manuelle Therapie 

Manuelle Techniken können sinnvoll sein, aber nur nach Freigabe und nicht aggressiv. Ziel ist Gleitfähigkeit, Spannungsreduktion und funktionelle Beweglichkeit – nicht forciertes „Durchdrücken“.


Kräftigung der Fußintrinsik 

Besonders sinnvoll sind:

  • Toe-spread-out
  • Short-foot
  • kontrollierte Hallux-Abduktion
  • später Zehenkontrolle gegen leichten Widerstand


Waden- und Vorfußkontrolle

  • bilaterale, später unilaterale Fersenhebungen
  • kontrolliertes Toe-off-Training
  • funktionelles Abrollen
[2], [3], [6]


Nach MTP-I-Arthrodese

Hier gelten andere Ziele. Nicht ROM im fusionierten Gelenk ist relevant, sondern:

  • Belastungstoleranz
  • gutes Abrollen über den restlichen Fuß
  • Sprunggelenksmobilität
  • Balance und Wadenkraft
  • Schuhberatung
  • Belastungsaufbau ohne Scherkräfte im Fusionssegment

 

Was sollte man in der Hallux valgus Nachsorge besonders beachten?

Schwellung dauert oft länger als gedacht

Viele Patienten unterschätzen, wie lange ein operierter Fuß anschwellen kann. Das ist nicht automatisch pathologisch, aber funktionell bedeutsam. Ein dicker Fuß blockiert ROM, Gangbild und Kraftentwicklung.


Schmerztherapie ist funktionell wichtig

Die aktualisierten PROSPECT-Empfehlungen zur Hallux valgus OP sprechen für ein multimodales Schmerzkonzept. Für die Reha ist das entscheidend: Wer schlecht schmerztherapiert ist, bewegt sich schlechter, schläft schlechter und gewinnt ROM und Gangbild langsamer zurück.[7]


Röntgenkontrollen steuern die Funktion mit

Postoperative Bildgebung ist keine Formalität. Sie beeinflusst Belastungsfreigabe, Progression und die Einschätzung, ob die Korrektur hält oder ob Probleme wie Unterkorrektur vorliegen.


Schuhversorgung wird häufig unterschätzt

Zu frühe Rückkehr in enge, modische oder harte Schuhe ist einer der häufigsten praktischenFehler. Ein breiter, stabiler Schuh mit ausreichender Zehenbox ist in der Nachsorge zentral.

 

Risikofaktoren für die Entstehung eines Hallux valgus

  • genetische/strukturelle Prädisposition
  • weibliches Geschlecht
  • höheres Alter
  • enges oder hochhackiges Schuhwerk
  • Hyperbeweglichkeit des ersten Strahls
  • pronationsbetonte Fußmechanik
  • verminderte Aktivität des Abductor hallucis


Risikofaktoren für ein Rezidiv nach der Operation

Die belastbarsten Daten nennen vor allem:

  • hohen präoperativen Hallux-valgus-Winkel
  • hohen Intermetatarsalwinkel
  • postoperativ verbleibende Unterkorrektur
  • unzureichend reduzierte Sesambeinposition


Gerade die Sesambeinposition ist klinisch relevant. Eine zentrierte Position ist mit höherer Zufriedenheit und geringerer Rezidivrate assoziiert.[4], [5]

 

Für eine verzögerte funktionelle Erholung

  • zu frühe Überlastung
  • unzureichende Abschwellung
  • lange Immobilität ohne funktionelle Aktivierung
  • schlechte Schmerztherapie
  • fehlende Gangschulung
  • ungeeignetes Schuhwerk
  • nicht erkannte Steife oder Fehlbelastung des ersten Strahls

 

Red Flags in der Nachsorge

Eine rasche ärztliche Rücksprache ist wichtig bei:

  • zunehmender Rötung, Überwärmung, Sekretion oder Fieber
  • deutlicher Schmerzzunahme statt langsamer Besserung
  • neu auftretender Fehlstellung
  • Instabilitätsgefühl oder belastungsabhängigem Wegkippen
  • Wundheilungsstörung
  • stark zunehmender einseitiger Schwellung mit Thromboseverdacht
  • progredienter Taubheit oder motorischem Defizit

Fazit zur Hallux valgus Therapie

Die moderne Hallux valgus Behandlung besteht nicht aus einem einfachen „abwarten oder operieren“. Konservative Maßnahmen können sinnvoll sein, eine Operation kann je nach Befund ebenfalls sinnvoll sein – und nach der OP entscheidet die Nachbehandlung wesentlich über Funktion, Belastbarkeit und Zufriedenheit.

Der aktuelle Stand lautet deshalb nicht: „Nach Hallux valgus OP einfach nur schonen.“ Der aktuelle Stand lautet:

  • verfahrensspezifische Nachbehandlung
  • frühe, aber kontrollierte funktionelle Reha
  • konsequente Abschwellung und Schmerzsteuerung
  • Wiederanbahnung der MTP-I-Funktion bei gelenkerhaltenden Verfahren
  • gutes Gangbild und belastbarer erster Strahl als Kernziel
  • Aufmerksamkeit für Rezidivfaktoren wie Unterkorrektur und Sesambeinposition


Eine gute Nachsorge ist weder rein chirurgisch noch rein physiotherapeutisch. Sie ist ein koordiniertes Belastungsmanagement zwischen Operateur, Bildgebung, Schmerztherapie und funktioneller Rehabilitation.[1]–[7]

FAQ – häufige Fragen zu Hallux valgus von Patientinnen und Patienten

Kann sich ein Hallux valgus ohne OP zurückbilden?

In der Regel nein. Konservative Maßnahmen können Beschwerden lindern, die Funktion verbessern und das Fortschreiten beeinflussen, aber eine ausgeprägte strukturelle Fehlstellung nicht vollständig „wegtrainieren“.

Ist Physiotherapie nach Hallux valgus OP wirklich sinnvoll?

Ja – gezielte Physiotherapie kann helfen, Schwellung zu reduzieren, das Gangbild zu verbessern, Steife zu vermeiden und die Belastung des ersten Strahls funktionell zurückzuholen. Entscheidend ist, dass sie zum Operationsverfahren passt.

Wie lange sind Schmerzen und Schwellung nach der Hallux Valgus OP normal?

Oft deutlich länger, als Patienten erwarten. Schwellung und Schmerzen über Wochen bis Monate ist nach Belastung nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist, ob der Verlauf insgesamt in die richtige Richtung geht.

Darf der große Zeh nach der OP bewegt werden?

Das hängt vom Verfahren ab. Nach gelenkerhaltenden OPs ist kontrollierte Mobilität meist wichtig. Nach einer Arthrodese ist das Großzehengrundgelenk bewusst versteift und wird nicht mobilisiert.

Was ist in der Nachbehandlung am wichtigsten?

Das Verfahren kennen, Schwellung ernst nehmen, die Belastung sauber steuern, das Gangbild normalisieren und – bei gelenkerhaltenden OPs – die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks kontrolliert zurückholen.

Literatur und Leitlinien, auf denen dieser Artikel basiert

  • [1] DGOU / AWMF: S2e-Leitlinie Hallux valgus, Version 2026
  • [2] Gumuskaya O et al. Preoperative and Postoperative Physical and Mechanical Rehabilitation Interventions in Hallux Valgus: A Systematic Review (2025)
  • [3] Schuh R et al. Rehabilitation after hallux valgus surgery / Importance of Physical Therapy to Restore Weight Bearing of the First Ray (2009)
  • [4] Ezzatvar Y et al. Prevalence and Predisposing Factors for Recurrence after Hallux Valgus Surgery (2021)
  • [5] Lalevee M et al. Recurrence rates with long-term follow-up after hallux valgus surgical treatment (2025)
  • [6] Massachusetts General Hospital: Physical Therapy Guidelines for Hallux Valgus Correction
  • [7] PROSPECT / ESRA updated recommendations for postoperative pain management after hallux valgus repair surgery (2025/2026)
  • [8] neuere Reviews zu Ätiologie, Biomechanik und konservativer Therapie des Hallux valgus

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